Historische Kulisse des Barocks ist in Deutschland der Dreissigjährige Krieg (1618-1648), in welchem Deutschland einen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Niedergang erlebte.

In einer Zeit, in der nichts mehr sicher war, grausame Schlachten und Epidemien auf der Tagesordnung standen, entstand das Motiv des Memento Mori in der Literatur des Barocks. Dieses Vergänglichkeitsbewusstsein spiegelt sich insbesondere in der Lyrik. Nachfolgend zwei Gedichte, die wir im Unterricht besprechen werden:

Georg Philipp Harsdörfer (1607-1658): Das Leben

Das Leben ist
ein Laub, das grünt und falbt geschwind,
ein Staub, den leicht vertreibt der Wind,
ein Schnee, der in dem Nu vergehet,
ein See, der niemals stille stehet,
die Blum’, die nach der Blüt’ verfällt,
der Ruhm, auf kurze Zeit gestellt,
ein Gras, das leichtlich wird verdrücket,
ein Glas, das leichter wird zerstücket,
ein Traum, der mit dem Schlaf aufhört,
ein Schaum, den Flut und Wind verzehrt,
ein Heu, das kurze Zeite bleibet,
die Spreu, so mancher Wind vertreibet,
ein Kauf, den man am End bereut,
ein Lauf, der schnaufend schnell erfreut,
ein Wasserstrom, der pfeilt geschwind,
die Wasserblas, die bald zerrinnt,
ein Schatten, der uns macht schabab,
die Matten, die gräbt unser Grab.

Chrsitian Hoffmann von Hoffmannswaldau (1575-1652): Vergänglichkeit der Schönheit

Es wird der bleiche Tod mit seiner kalten Hand
Dir endlich mit der Zeit umb deine Brüste streichen
Der liebliche Korall der Lippen wird verbleichen;
Der Schultern warmer Schnee wird werden kalter Sand
Der Augen süßer Blitz, die Kräffte deiner Hand
Für welchen solches fällt, die werden zeitlich weichen
Das haar, das itzund kann des Goldes Glanz erreichen
Tilgt endlich Tag und Jahr als ein gemeines Band.
Der wohlgesetzte Fuß, die lieblichen Gebärden
Die werden theils zu Staub, theils nichts und nichtig werden
Denn opfert keiner mehr der Gottheit deiner Pracht.
Diß und noch mehr als diß muss endlich untergehen.
Dein Hertze kann allein zu aller Zeit bestehen
Dieweil es die Natur aus Diamant gemacht.

Diese Vanitas-Motiv führte bei einigen Autoren barocker Werke zur Weltflucht oder zur Hinwendung zu Gott. In diesem Zusammenhang soll das wohl bekannteste Beispiel der Figurengedichte genannt werden: Catharina Regina von Greiffenbergs ‘Kreuzgedicht’:

Seht der könig könig hängen!
und uns all mitt blutt besprängen
auss der dörner wunden bronnen
ist All unsser heyl geronnen
seine augen schliest Er sacht!
und den Himmel uns aufmacht
Seht Er Streket Seine Hend auss uns freundlichst Zuentfangen!
Hatt an sein Liebheisses Herz uns zu drüken brünst verlangen!
Ja Er neigt sein liebstes haubt uns begihrlichest zu küssen
All Sein Sinn gebärd und werk seyn zu unser Heyl geflissen!
Seiner seitten offen stehen
Macht seyn güttig Herze sehen!
Wann Wir schauen mitt den Sinnen
Sehen Wir uns selbst darinnen!
So Viel striemen so Viel Wunden
Alss an seinen leib gefunden
So Viel Sieg und Segen kwellen
Wollt’ er unser seel bestellen,
Zwischen Himel und der Erden
wollt’ Er auf geopfert werden
Dass Er gott und uns verglihen
uns Zu sterken Er Verblihen
Ja sein sterben hatt das Leben
Mir und Aller Weltt gegeben!
Jesu’ Christ dein Tod und schmerzen
Leb’ und schweb’ mir stett im Herzen!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.